Spezialisten sind wichtig, Generalisten aber auch

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Mike Cohn
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Ich habe bereits über das Konzept der Gleichheit in agilen Teams geschrieben. Dort erwähnte ich, dass es ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass jedes Mitglied eines Scrum Teams ein Generalist und somit in allen Bereichen gleich gut sein muss. Es stimmt einfach nicht.

Was Scrum Teams von Sandwich-Läden lernen können

Es ist schon seltsam: Jeder Sandwich-Laden weiß mittlerweile, wie man Spezialisten einzusetzen hat. Aber wir in der Softwarebranche haben immer noch keine Antwort auf diese Frage gefunden. Ich esse meine Sandwiches am liebsten in einem bestimmten Sandwich-Laden. Dort habe ich schon oft genug gegessen, um zu wissen, dass sie drei verschiedene Arten von Mitarbeitern haben: solche, die Bestellungen aufnehmen; diejenigen, die die Sandwiches machen und Springer.

Die Mitarbeiter, die die Bestellungen aufnehmen stehen hinter dem Tresen und schreiben die Bestellungen auf einen Zettel. Diesen reichen sie dann an ihre Kollegen weiter, die die Sandwiches belegen.

Diese beiden sind also die Spezialisten in der Sandwich-Branche. Springer sind die Generalisten – sie sind in beiden Jobs einsetzbar, wenn auch nicht ganz so gut wie die Spezialisten. Ihre Sandwiches schmecken zwar nicht schlechter – die Generalisten sind aber vielleicht nicht ganz so schnell.

Als Teenager habe auch ich einmal in einem Fast-Food-Restaurant gearbeitet. Ich war ein Springer. Ich konnte nicht so schnell Burritos und Tacos machen wie Mark, einer der Köche. Und jedes Mal wenn ich an der Kasse stand und eine neue Rolle Papier einlegen musste, musste ich Nikki die Filialleiterin rufen, weil ich mir einfach nicht merken konnte wie das ging. Im Gegensatz zu Mark und Nikki konnte ich allerdings beide Jobs erledigen.

Ich gehe einfach mal davon aus, dass jeder Sandwich-Laden der Welt einige Spezialisten hat – Leute die nur für die Zubereitung der Speisen verantwortlich sind und Leute die nur Bestellungen aufnehmen und kassieren. Diese Unternehmen haben jedoch auch gelernt, dass man auf Generalisten nicht verzichten kann.

In den Hauptzeiten, wie z. B. Mittags, können Generalisten hilfreich sein, da sie ganz nach Bedarf eingesetzt werden können – egal ob beim Aufnehmen der Bestellungen oder beim Belegen der Sandwiches.

Fazit: Generalist vs. Spezialist

Und das bedeutet auch für Scrum Teams, dass es nach Möglichkeit immer einige Generalisten geben sollte. Es sind nämlich die Generalisten, die es den Spezialisten erst ermöglichen, sich zu spezialisieren.

Natürlich werden immer wieder Spezialisten benötigt (C++ Programmierer, Big Data Analysten, Bioinformatiker usw.). Jedes Mal wenn man einen weiteren Spezialisten in das Team aufnimmt, ist es genau wie bei dem Sandwich-Laden, wenn eine weitere Person eingestellt wird, die nur Sandwiches zubereiten kann. Gibt es zu viele Spezialisten, ist die Wahrscheinlichkeit wesentlich höher, dass jemand zu viel Zeit vertrödelt, weil er warten muss bis ein anderer Spezialist mit seiner Arbeit fertig wird.

Dieser Text stammt aus dem Blog von Mike Cohn und wurde von uns ins Deutsche übersetzt.

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